3 mal 10 • November 2016

Endlich wieder einmal pünktlich: Heute ist der zehnte November, es ist zehn Uhr und hier sind sie – meine zehn Links zum Medienalltag. Viel Spaß bei der Lektüre!

1. „Nehmen Sie sich selbst nicht allzu wichtig“

Die Standard-Wirtschaftsjournalistin Renate Graber hat bei der diesjährigen Sponsion der Journalismus-Absolventen der FH Wien der WKW einer sehr schöne Rede gehalten. Ich habe Graber als Dozentin im Fach „Interview und Porträt“ kennen- und schätzen gelernt. In ihrer Rede stellt sie große Fragen:

Oft aber geht es im Journalismus nicht um offensichtlich Richtig oder Falsch, sondern um ungleich schwerer zu entscheidende Fragen der Grenzziehung. Was ist berichtenswert? Wer ist eine Person öffentlichen Interesses, über die Sie berichten dürfen? Wann dürfen Sie über ein Gerücht berichten? Wie gehen Sie mit Dementis um? Wie mit Klagsdrohungen und anderen Einschüchterungsversuchen? Wie wahren Sie die Unschuldsvermutung?

Die gesamte Rede im Wortlaut findet man auf derStandard.at.

2. Journalismus in der Schule

Der YouTube-Kanal Klassenzimmer der Zukunft hat sich in diesem kurzen Clip mit der Notwendigkeit der Vermittlung von Medienkompetenz beschäftigt. Dabei stellen sie auch kurz das Medium „politikorange“ vor, ein Projekt der Jugendpresse Deutschland. Hierbei handelt es sich um ein Medium von jungen Leuten für junge Leute.

3. Frauen, Politik und Medien

Medienforscher der Uni Freiburg haben sich die Berichterstattung rund um die Schweizer Wahl zum Bundesparlament im Jahr 2015 angesehen. Dabei fanden sie heraus, dass Frauen auf den Kandidatenlisten weniger präsent waren als männliche Kollegen. So betrug der Frauenanteil auf den Listen 34,5 Prozent, in der Berichterstattung war ihre Präsenz aber um 10 Prozentpunkte niedriger. Eine positive Sache dabei: Es wurden kaum Klischees (Äußerlichkeiten, private Lebensumstände) bedient. Das ist ja auch schon was. Die Kommission für Frauenfragen aber fordert nun natürlich ein Umdenken.

4. Flucht-Klischees

Apropos Klischees: Noch immer glauben Menschen, dass Merkels Selfie mit einem Flüchtling und wahnwitzige Versprechen von eigenen Häusern usw. die Fluchtentwicklung 2015 losgetreten hat. Forscher der Freien Universität Berlin sahen sich das genauer an. Mit dem nächsten Zitat nehm ich zwar schon das Ende vorweg, aber der ganze Artikel ist grundsätzlich sehr lesenswert: „Stattdessen nennen sie einen anderer naheliegenderen Grund für die Flucht hunderttausender Menschen: ‚Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge hat ihre Heimat aus Not verlassen.'“

5. Was ist präventiver Journalismus?

Wieder ein kurzer Clip, diesmal zu einem journalistischen Genre, das mir bislang vollkommen unbekannt war: Preventive Journalism. Der Ziel dieses Genre ist, so wie es das Deutsche Journalisten Kolleg beschreibt: „Er setzt sich zum Ziel, Gesellschaft und Regierungen auf dringliche Probleme aufmerksam zu machen.“ Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob der Journalist dabei nicht mehr zum Aktivisten wird.

6. Interview mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales

2001 wurde Wikpedia gegründet und ist in den vergangenen fünfzehn Jahren immens gewachsen. Heute ist es auf Platz 7 der meistbesuchten Websites der Welt. Forbes Austria traf Jimmy Wales, den Gründer dieser Plattform und sprach mit ihm über die ständig erweiternde Crowd-Enzyklika und seine weiteren Projekte.

7. „Ich hasse das Internet“

Ingrid Brodnig traf Jarett Kobek, den Autor des Buches „Ich hasse das Internet“. In dem im Profil erschienen Interview spricht er über seine Abrechnung mit dem Silicon Valley. Und er lässt dabei kein gutes Haar an sozialen Medien wie z.B. Facebook: „Wir erleben gerade den größten Diebstahl von intellektuellem Eigentum, den es jemals gab. Wir werden alle zu Kreativschaffenden für eine Handvoll Menschen, die damit äußerst reich werden.“

8. Die Meinungsfreiheit ist eine Verschwörung!

Übermedien war bei der „Compact“-Konferenz und hat mit den Menschen über Meinungsfreiheit gesprochen. Wer es nicht kennt, eine kurze Info – und hier zitiere ich Wikipedia: „Wissenschaftler und Journalisten bewerten die Zeitschrift als Querfront-Magazin und ordnen sie dem Rechtspopulismus zu. Seit 2015 präsentiert sich Compact als Sprachrohr der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung“. Und weil sich diese Menschen ja immer in ihrer Meinungsfreiheit so eingeschränkt sind, hat der Interviewer hier mehrfach gut nachgefragt.

9. Anonyme Quellen in Frankreich

Das European Journalism Observatory beschäftigt sich mit der Frage nach dem Umgang mit anonymen Quellen. Im aktuellen französischen Politikjournalismus greift man auf diese anonymen Quellen nur zu gerne zurück: Libération hatte einen Artikel mit 11 Quellen ohne Namen und Le Parisien am Tag darauf einen mit fünf. In Frankreich wird 2017 ein neues Staatsoberhaupt gewählt, deshalb ist die Frage nach anonymen Quellen noch bedeutsamer. Das Problem mit solchen Quellen ist aber offensichtlich: Wenn man anonym ist, kann man viel erzählen, ohne Konsequenzen zu erwarten. Außerdem kann sie den Journalisten damit ausnützen und instrumentalisieren. Interessant dabei ist: Die New York Times verzichtet seit kurzem vollends auf anonyme Quellen – ausschließlich bei Einzelfällen, die die nationale Sicherheit betreffen, werden sie noch eingesetzt.

10. Meine drei Lieblings-Medientweets des Monats

Info: Wer auch in Zukunft gerne meine Beiträge lesen möchte, kann in der Seitenleiste links seine E-Mailadresse dalassen. Dann bekommst du jeden neuen Eintrag von mir automatisch und augenblicklich in dein Postfach katapultiert. 

Und hier kann man meine YouTube-Playlist „Unterwegs im Medienalltag“abonnieren – diese Playlist wird von nun an regelmäßig befüllt.

Und jetzt du!

Hast du in letzter Zeit einen interessanten Link zu Journalismus und Medien gefunden? Teile ihn mit uns – einfach in den Kommentaren posten!

Dominik Leitner
Dreißigjähriger Autor, Journalist und Blogger - aufgewachsen in Oberösterreich, lebt nun in Wien. – Literarisches: Neon|Wilderness • Positives (2017): 365 gute Dinge • Kreativitätsförderung: projekttxt.net – Du willst mir einen Kaffee spendieren? https://paypal.me/dmnkltnr

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