Blogs bleiben die Zukunft

Warum ich Blogs immer noch für unglaublich wichtig halte, auf einen neuen Hype hoffe und warum angehende Journalisten einfach nicht darauf verzichten sollten. Neunter und abschließender Teil meiner #blog-Serie.

Heute Abend werde ich zum ersten Mal bei einer Podiumsdiskussion nicht im Publikum, sondern selbst am Podium sitzen. Und mit anderen Menschen über das eine Thema sprechen und diskutieren, das stets allgegenwärtig ist: Blogs. Beziehungsweise die Blogosphere 2020, also die mittelfristige Zukunft des Bloggens. Einen Stream dazu findet man übrigens hier, um 19 Uhr gehts los. Und ja, natürlich bin ich aufgeregt. Deswegen möchte ich meine Blogserie, die ich eigentlich über den Sommer abschließen wollte, nun zu einem Abschluss bringen. Und die bisherigen acht Beiträge zusammenfassen:

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Ein Blog ist dein Ding

Wie schon im ersten Beitrag erklärt, ist nur ein selbstgehosteter Blog dein wirkliches Eigentum. Ein Beitrag im neuen Facebook Notes ist in dieser Plattform gefangen und könnte, wenn Facebook nicht mehr von der Notwendigkeit dieses Tools überzeugt ist und es eliminiert, auch einfach wieder verschwinden. Mit einem eigenen Blog ist man unabhängig, hat unendlich viele Freiheiten, natürlich auch ein paar Regeln und Pflichten, aber es ist ein wunderbares Spielfeld, ein spannender Baukasten, ein mächtiges Werkzeug.

Und gerade deshalb ist es Zeit, dass wieder ein neuer Bloghype daherkommt. Damit die Leute verstehen, dass jedes soziale Netzwerk irgendwann ein Ablaufdatum hat. Und genauso ist es mit Plattformen, die als „Gemeinschaftsblogs“ konzipiert sind. Ich zähle da z.B. Newsgrape oder auch fisch+fleisch dazu: Ich selbst habe bei Newsgrape eine Zeit lang regelmäßig Beiträge veröffentlicht, heute ist die Seite nicht mehr existent. Wenn es sich für den Betreiber einer solchen Plattform nicht mehr lohnt, sind deine Beiträge irgendwann einmal Geschichte. Das willst du doch nicht, oder?

Schreibe, weil es dir Spaß macht

Zuallererst muss dir das Betreiben eines Blogs Spaß machen. Du schreibst gerne? Perfekt! Du machst gerne Fotos und möchtest sie auch herzeigen? Du filmst gerne? Du häkelst oder kochst oder schminkst gerne? Na dann! Perfekt.

Du wirst am Anfang keine unglaubliche Reichweite erzielen. Das ist ganz normal, du bist ein Mensch, dein Blog ist meist ein Ein-Mann/Frau-Projekt. Aber durch das Teilen in den sozialen Netzwerken, durch gute Beiträge von dir, durch einzigartige Inhalte wächst deine Leserschaft nach und nach immer weiter an.

Also nicht unterkriegen lassen, wenn man in den ersten Wochen noch für sich und ein paar Freunde schreibt, die externen Leser kommen schon noch. Und wenn dann auch noch Kommentare auf deinen Blog landen, dann steigt der Spaß am Projekt Blog noch um einiges mehr. Nur nicht frühzeitig aufhören, okay?

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Vor allem für angehende JournalistInnen: Traut euch!

Wenn man JournalistIn werden will, dann kann man einerseits versuchen, auf so vielen Veranstaltungen wie möglich zu sein, sich damit einen Namen machen, mit Twitterfollowerzahlen usw. prahlen, oder aber man erschafft sich selbst eine Plattform, um eigene Arbeiten, den Lebenslauf und das Portfolio  darzustellen.

Und nicht nur zur Selbstdarstellung dient ein solcher Blog: Es entwickelt sich auch der ganz eigene Schreibstil, man wird bekannt, macht sich einen Namen mit Geschriebenem oder Gefilmten oder Aufgenommenen. Ich denke, wenn Firmen das lesen, freuen sie sich noch einmal mehr, mit dir ein Vorstellungsgespräch zu führen.

Ich finde, es ist eine gewisse Untätigkeit, sich die Arbeit eines Blogs nicht anzutun. Stattdessen beschwert man sich lieber über un- bzw. schlecht bezahlte Praktikas und jammert über die kaputte Medienwelt. Ich habe bereits zwei Jobs aufgrund meiner Arbeit mit und in Blogs bekommen sowie zahlreiche Anfragen zwecks Gastbeiträgen. Die Medienwelt ist also offenbar nicht kaputt, sie funktioniert heutzutage nur etwas anders.

Jeder kann bloggen!

Ja, natürlich kann nicht jeder gut schreiben. Oder hat eine perfekte Rechtschreibung. Aber nachdem es dein eigenes Projekt ist, muss es doch auch nicht perfekt sein, oder? Bzw. darf es sich noch entwickeln. Finde etwas, indem du gut bist und sprich bzw. schreib darüber? Genau das wollen die Menschen lesen: Texte von jungen Experten, die vielleicht gar nicht wissen, dass sie Experten darin sind. Ich bin überzeugt, dass Nischenblogs großartig sind und eine größere Pluralität in der Blogosphäre der ganzen Sache gut bekommen.

Nie zuvor war es so einfach, zu publizieren. Schade, dass sich viele Menschen dabei auf die großen sozialen Netzwerke beschränken und dabei nicht bedenken, ihr eigenes Ding zu machen. Vielleicht konnte ich irgendjemanden da draußen ja zum Umdenken bringen. Das wäre schön. (Und würde zeigen: Blogs bringen was.)

Dominik Leitner
Dreißigjähriger Autor, Journalist und Blogger - aufgewachsen in Oberösterreich, lebt nun in Wien. – Literarisches: Neon|Wilderness • Positives (2017): 365 gute Dinge • Kreativitätsförderung: projekttxt.net – Du willst mir einen Kaffee spendieren? https://paypal.me/dmnkltnr

3 Kommentare

  1. Da gebe ich dir recht. Mit einem selbst gehosteten Blog hat man sein eigenes kleines Reich im Netz und kann damit tun und lassen, was einem gefällt. Und, Grundkenntnisse in HTML und CSS vorausgesetzt, kann man das Design so anpassen, wie es einem gefällt.

    Zeitmangel hat mich dazu getrieben, mit Medium zu liebäugeln. Wobei ich sagen muss, dass diese Plattform richtig gut ist. Ein eigener Blog hat aber trotzdem mehr Charme.

    Danke für diesen Blogpost. Du hast mir meine Liebe zum eigenen Blog wieder vor Augen geführt. Da ich in Zukunft auch wieder mehr Zeit habe, werde ich mich auch wieder mehr um diesen kümmern können.

  2. Hallo!

    Viele laufen einfach den „Trends“ nach und denken dabei nicht daran ob diese Trends auch Qualität haben. Wirklich „Gutes“ im Web findet man zumeist nur auf diversen Blogs. Darum sage auch ich, Blogs haben Zukunft. Ich blogge seit zwölf Jahren.

    Gruss schlagloch.

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