Seid selbstbewusst!

Posted by in Anderswo

Diese Kolumne erschien Ende November im MFG-Magazin. Zu finden ist dieser Beitrag auf dasmfg.at sowie auf Seite 68 des Magazins.

Die Menschen von St. Pölten sind offenbar ein unverstandenes Völkchen. Anders kann ich mir den Erfolg meines Textes „Warum ich in St. Pölten wohne, obwohl St. Pölten ja St. Pölten ist“ nicht erklären. (Innerhalb einer Woche lasen rund 16.000 Menschen den Beitrag, über 2.600 Interaktionen fanden auf Facebook statt.)

Das sei „wie Balsam“ für die geschundene St. Pöltner Seele, sagte man mir. Dabei wollte ich ja auch nur versuchen, eine Erklärung zu finden, warum ich, als gebürtiger Oberösterreicher in dieser Landeshauptstadt hängengeblieben bin. So wirklich war es mir selbst noch nicht bewusst, als ich die ersten Zeilen tippte, in Wahrheit war eigentlich ein ironischer Text geplant. Aber irgendwie wurde daraus eine „Liebeserklärung an St. Pölten“, wie es von zwei lokalen Wochenmedien betitelt wurde.

Beinahe wirkt es so, als sei das Selbstbewusstsein der Menschen nicht im selben Verhältnis gewachsen wie die Stadt und ihr Auftreten. Auch ich habe mich in den ersten Jahren fast entschuldigt, in dieser Stadt zu wohnen, wo mir doch, trotz meines Studiums an der FH St. Pölten, Wien als Wohnort zu Füßen liege.

Die Quintessenz meines Textes ist wohl, dass St. Pölten im direkten Vergleich mit Wien, Graz, Linz oder Salzburg anhand quantitativer Faktoren stets den Kürzeren zieht. Aber der altbekannte Äpfel-Birnen-Vergleich bringt uns nichts. St. Pölten ist nicht wie jede andere Landeshauptstadt, und das ist meiner Meinung auch gut so.

Es ist wahrhaftig nicht alles perfekt in dieser Stadt, aber doch vieles verdammt gut. Und eben etwas anders als in anderen Städten. Wir sollten aufhören, uns ständig erklären zu wollen – alle, die es nicht verstehen, sollten St. Pölten einfach einmal ausprobieren.

Die, wie ich finde, sehr gelungene Ausgabe kann man online komplett nachlesen.

Bildquelle: geralt / Pixabay