Netflix, Spotify, Kindle Unlimited – Schöne, neue, veränderte Medienwelt … zumindest für mich

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Warum all die neuen Angebote für mich persönlich eine große Bereicherung sind. Und mich damit ein bisschen aus der Illegalität locken.

Früher habe ich Alben illegal aus dem Netz gesaugt, mir aber auch durchschnittlich mehr CDs gekauft als mein Freundeskreis. Hätte ich all die Musik gekauft, die ich haben wollte, wäre ich jetzt wohl bei der Schuldenberatung und ABBA würde mit „Money, Money, Money“ in meinem Kopf auf Heavy Rotation laufen. Seit fast drei Jahren habe ich keinen einzigen musikalischen Bit mehr illegal heruntergeladen, mir auch keine CDs mehr gekauft – aber dafür habe ich heute legal Zugriff auf Millionen von Songs, immer griffbereit in meiner Hosentasche, und das um 120 Euro im Jahr.

Und ja, ich kenne die Sorgen von MusikerInnen, die sagen, dass sie von einem Stream ihrer Songs nur einen Bruchteil an Geld generieren. Dem kann ich zumindest entgegensetzen, dass ich durch Spotify und die Features „Entdecken“ und „Radio“ auf viele MusikerInnen überhaupt erst gekommen bin – sie so von mir nie einen Cent gesehen hätten und jetzt zumindest ein kleines bisschen.

Dasselbe Bild, großer Bildschirm: Manche wissen es bereits – ich mag Serien. Filme sind mir oft zu lang, zu langweilig oder möglicherweise fehlt mir auch die dazu notwendige Aufmerksamkeitsspanne. Deshalb sind Serien mit 20, 30 oder maximal 60 Minuten Länge genau das Richtige für mich. Und nachdem wir in unserer WG keinen Fernseher haben und ich auch nicht ein Jahr auf die Ausstrahlung einer Serie im Free-TV mit oft echt nicht guter Synchronisation warten möchte, musste ich mir auch das herunterladen. Vergangenen Mittwoch (17.9.) startete schließlich Netflix in Österreich und ich bin glücklicher denn je. Auch wenn das Angebot bisher noch etwas mager ist, die Idee selbst gefällt mir richtig gut. Um 8,99 Euro pro Monat kann ich nun unzählige internationale Serien (und auch viele Filme) ansehen, sie sind großartig gestreamt, im Originalton und mit deutscher Synchro … und noch dazu vollkommen legal.

Das freut mein Rezipientenherz natürlich sehr: Ich kann nun mehr Musik als je zuvor hören, mehr Serien als je zuvor sehen – und für dieses Angebot bin ich auch gerne bereit etwas zu zahlen. Aber warum höre ich nicht Radio, warum brauchen wir in unserer WG keinen Fernseher?

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Ich entscheide

Radio war mir schon immer ein Gräuel. Nicht nur wegen der Moderation, die wahrscheinlich auf jedem Sender (wohl bis auf Ö1) grauenhaft ist, sondern vor allem wegen der Musik (die auf Ö1 wohl häufig auch grauenhaft ist). Ich will meine Musik hören, ich will sie hören, wann ich will, ich will ein Lied so oft hören, wie ich will, ich will die Macht haben. Und brachte mir früher der Windows Media Player oder Winamp das Gefühl dieser Freiheit, so bietet mir Spotify in der Premium-Version diese Freiheit am PC, am Tablet und am Smartphone.

Und Fernsehen? Das hat sich bei mir zu einem genüsslichen Nebenbeimedium entwickelt. Wenn ich manche Wochenenden bei meinen Eltern zuhause bin, sitze ich auch davor, aber ich schaue selten richtig zu. Denn wenn um 20.15 Uhr der neue Tatort läuft, hätte ich gerne Lust auf eine Wiederholung der 15. Folge der vierten Staffel von „How I Met Your Mother“. Ich will das Programm entscheiden, ich will es sehen, wann ich will und wo ich will. Und nicht zu vergessen: sobald ich will. Ja, es war mir wichtig, am Tag danach zu erfahren wie Ted Mosby endlich die Mutter kennenlernt und wie die Geschichte endet. Und anstatt die vierundzwanzigste Wiederholung von „Die Nanny“, „Hör mal wer da hämmert“ oder „Eine schrecklich nette Familie“ zu sehen (alles: österreichischer Free-TV), entdecke ich gerne nicht mehr ganz so frische aber noch laufende Serien und hole innerhalb kurzer Zeit alle bisher versäumten Folgen nach. Netflix gibt mir die Macht, mit der Fernbedienung (meinen Fingern) kann ich nicht wie gewohnt nur Sender wechseln, sondern das gesamte Programm. Und das auch, wenn ich in einem Zug mit W-LAN sitze, oder nachts im Bett oder einfach so zwischendurch. (Und Nachrichten schaue ich mir übrigens, falls sie – laut Twitter – sehenswert waren, in der TVthek an.)

Das alles sind moderne Zugänge zum Medienkonsum junger Menschen (zu denen ich mich mit 26 irgendwie auch noch zähle). So konsumiert man heute. Die Musikindustrie? Die TV-Industrie? Die wollten jahrelang nichts davon wissen und freunden sich erst jetzt schön langsam mit diesen Dingen an. Und auch wenn sie mich als Nutzer ihrer Inhalte noch haben, ihre Sympathien haben sie in den vergangenen Jahren gehörig verspielt.

Kindle, Amazon

Und der Buchmarkt?

Wollt ihr etwas über meinen Buchkonsum erfahren? Ich habe mir erst zwei Bücher illegal heruntergeladen (70 Euro teure Schinken für die FH, die wir nachher nie mehr wieder brauchten), man kann mich nicht alleine in einer Buchhandlung lassen und ich habe seit Weihnachten 2013 rund 60 Bücher auf meinem Kindle. Ich bin also ein guter Konsument, könnte man sagen. Aber ein Problem hab ich doch: Ich möchte gerne viele deutschsprachige Bücher als eBook kaufen, aber ich bin nicht bereit 12,99 Euro dafür auszugeben, wenn die gedruckte Version 13,99 Euro kostet. Versteht mich nicht falsch, Bücher sollen etwas kosten, die Herstellung ist ja auch mit Kosten verbunden, aber es fallen sowohl Papier, als auch Vertrieb vollkommen weg. Aber dank der Buchpreisbindung, die unser Kulturminister jetzt auch für „Internetbücher“ haben will, greife ich stets lieber zur englischen Ausgabe eines Buches. Oder (und das nur im Notfall) zum deutschen Printbuch. So verlagert sich mein Konsum mehr und mehr auf den englischsprachigen Markt. Und deshalb würde ich mich über eine Flatrate wie das in den USA eingeführte „Kindle Unlimited“ freuen. Um 10 Euro im Monat sich in einer Buchhandlung mit mehr als 500.000 Bücher bewegen? Ein Traum! Und jeder Verlag bzw. jeder Autor erhält, bei Download, einen Anteil daran. Auch hier ist es zumindest mehr als jetzt, wo mich der deutschsprachige Markt preisbedingt eher weglockt.

Nicht jammern!

Das ist wahrscheinlich der beste Rat von allen: Leute, jammert nicht! Die Musikbranche jammert – und ein schwedischer Musiksstreaming dienst schafft das Unmögliche. Die Film- und Fernsehbranche jammert – und ein amerikanischer Dienst kommt daher. Beinahe kommt es mir so vor, als würden alle Medienmacher im deutschsprachigen Raum in einer Schockstarre verfallen sein. Und die Österreichischen Medientage zeigten wieder einmal, wie sehr man zwischen Selbstbeweihräucherung („Wir sind die Besten und machen nur das Beste …“) und Selbstbemitleidung („… aber niemand will uns kaufen und lesen!“) schwankt. Seid mutig, traut euch was, schaut über den Tellerrand, entwickelt mit Partnern in anderen Ländern. Denkt global. Wenn es gut ist, dann zahle ich sogar dafür. Und das ist ja schon was, oder?

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