10 Gründe, warum sich der Onlinejournalismus in eine Sackgasse manövriert

Der 7. Grund wird dir die Tränen in die Augen treiben!

Vermutlich zeitgleich mit der erstmaligen Benutzung des Wortes „Medium“ brachte irgendjemand den „Medienwandel“ ins Spiel. Alles ändert sich und wie schon so oft beginnen Medientheoretiker wieder einmal vom Sterben eines „alten“ Mediums aufgrund der Etablierung eines „neuen“ zu sprechen – dem Rieplschen Gesetz zum Trotz. Doch während so manche den Printjournalismus seit Jahrzehnten totsagen, so beziehe ich mich auf den Onlinejournalismus. Als jemand, der selbst Journalist bei einem Onlinemedium ist und auch als überdurchschnittlicher Mediennutzer habe ich dabei zugesehen, woran man gescheitert ist oder noch scheitern wird.

Grund Nr. 1: Es muss (nicht) über alles berichtet werden

Seien wir mal ehrlich: Prüft man in Onlineredaktionen die zu tippende Meldung noch auf ihren Nachrichtenwert? Alle großen österreichischen Onlinemedien haben über die Dauer von 3 (!) Tagen über ein Pferd berichtet, das von einer Radarfalle fotografiert wurde. Oder über einen Politiker, der auf eine Satireseite reingefallen ist. Oder über den amerikanischen Austauschstudenten, welcher in Deutschland in einer Vulvaskulptur aus Stein stecken geblieben ist. Das sind alles recht liebe Soft News, definitiv, aber kein Medium schaffte es, bei den Beiträgen recht viel Neues hinzufügen, was nicht schon bei der ersten Meldung zu lesen war. Dadurch erhält man eine Kopie nach der anderen, die sich maximal von Logo und Design etwas unterscheiden werden. Und deshalb kann sich auch eine Paywall nie durchsetzen: Denn warum soll ich für etwas zahlen, was ich anderswo fast 1:1 gratis bekomme?

Grund Nr. 2: Schnelligkeit schlägt jedes Mal die Information

Der Nachrichten-Anchorman Armin Wolf denkt, dass Printmedien sterben würden, weil sie durch ihren frühen Redaktionsschluss und anschließenden Druck und Vertrieb nicht einmal annähernd zeitnah berichten können. Ich behaupte, dass der durch das Internet ermöglichte Echtzeitjournalismus viel eher die Onlinemedien selbst gefährdet. Denn – dem großen Konkurrenzdenken sei Dank – natürlich will man stets der Erste sein. So werden selbst Todesfälle von bekannten Persönlichkeiten mit einer suchmaschinenoptimierten Überschrift und einem Agenturbild in Sekundeneile veröffentlicht und im vorläufigen Beitragstext auf kommende Updates in der Causa hingewiesen. Früher starb man definitiv schöner. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich bewerte Medien nicht danach, wer als Erster über etwas berichtet, sondern danach, was sie mir zu berichten haben. Und das ist oftmals eben einfach viel zu wenig.

Grund Nr. 3: „Jedem Gerücht ein Berücht!“

In einem verschollenen Artikel von mir habe ich schon einmal darüber geschrieben: Lieber über 10 Gerüchte berichten, damit man ja nicht das eine Gerücht übersieht, welches sich irgendwann bewahrheiten wird. Ein Paradebeispiel dafür ist der Technikjournalismus, der seit 2007 über ein Billig-iPhone berichtete, welches schließlich erst im vergangenen Jahr (2013!) in den Handel kam und schlussendlich gar nicht so billig war, wie die geschätzt dreißig Artikel im Laufe der Jahre vermuten ließen. Warum man trotzdem darüber berichtet? Weil es die Menschen interessiert, sagten mir einige JournalistInnen. (Und somit auch die Klickzahlen stimmen.) Wenn aber Klickzahlen stärker bewertet werden als der Wahrheitsgehalt der Meldungen, dann sind diese Beiträge aus „Qualitätsmedien“ genauso fundiert wie jene eines Hobbybloggers.

Grund Nr. 4: Diskutiere nie mit OnlinejournalistInnen!

Ich beneide sie manchmal, die OnlinejournalistInnen, welche bei den großen Medienhäusern arbeiten und für ihre Arbeit bezahlt werden. Aber wenn man mit den ersten drei Gründen hausieren geht und sich OnlinejournalistInnen zu Wort melden, endet das meist traurig. Denn die Klickzahlen, dieser quantitative Erfolgsfaktor, scheinen zum Nonplusultra geworden zu sein – man schreibe über Gerüchte, Soft-News und 10-Sekunden-Echtzeiteinträge nur, weil die Menschen das so wollen. Das kann man natürlich als Qualitätsjournalismus bezeichnen, aber auch wohl nur, weil Qualität ein furchtbar dehnbarer, relativer Begriff ist. Klar, mir sitzt kein Geschäftsführer im Nacken – aber ich genieße es, auf neuwal.com eben mal richtig tief rein zu recherchieren, um nicht das zu schreiben, was Menschen lesen wollen, sondern das zu schreiben, was Menschen suchen: Information, Aufklärung, Erklärung.

Grund Nr. 5: Alles für die Werbung!

Und weiter gehts: Aufbauend auf den bisherigen vier Gründen nun der erste Versuch einer Erklärung. Jedes Onlinemedium hat natürlich eine Geschäftsführung. Und eine Geschäftsführung möchte, dass das Onlinemedium gewinnbringend arbeitet. Waren Onlinemedien früher zu einem sehr großen Teil quersubventioniert (also: Printerlöse landeten bei Onlinemedien), so verdienen nun schon viele recht viel Geld durch den Anzeigenverkauf. Die halbgaren Beitrage erzeugen Klickzahlen und Klickzahlen erzeugen mehr Impressions bei den Anzeigen, die man dadurch teurer verkaufen wird können – doch entsteht damit ein besserer Journalismus oder gibt es dann einfach doppelt so viele halbgare Beiträge? Denn das Phänomen, dass ein großartiger Anzeigenverkauf zu einer erhöhten Auflage führt und eine erhöhte Auflage zu einem noch großartigeren Anzeigenverkauf kennen wir schon aus der Print-Ära (unter dem überraschenden Namen: Anzeigen-Auflagen-Spirale) – aber was wird dann im Onlinebereich erhöht, wenn der Anzeigenverkauf ja abhängig von Klickzahlen und ebendiese von den Beiträgen ist? Wenn sich also ein Onlinemedium feiert, als alleinstehender Konzernteil schwarze Zahlen zu schreiben, so sollte man sich auch genau ansehen, warum dem so ist.

Grund Nr. 6: Meinungsmache Social Media

Es überrascht, wie aufbauend die Gründe zu sein scheinen: Man nehme die halbgaren Beiträge, das Lugen auf die Klickzahlen, und all das nur wegen der Werbung und schon beweisen die Onlinemedien erneut, wie sehr sie sich selbst doch wandeln. Denn auch ich muss sagen, dass ich nur noch selten die Medien-Websites direkt ansteuere, sondern ausgewählte Texte, die es mir in den Nachrichtenfeed auf Facebook und Twitter spült, nur durch die Empfehlungen meiner Kontakte in den sozialen Medien lese. Somit haben die Medien auch die Aufgabe, ihre Beiträge in den Social Media gut zu vermarkten. Doch was ich zuletzt immer öfter zu lesen bekam, war offenbar die sehr private Meinung des Social Media Managers. Dass z.B. die 100 Millionen US-Dollar, welche Ungustler Bernie Ecclestone gezahlt hat, keine „Sauerei“ sind, sondern geltendes deutsches Recht, konnte man aus vielen Linkbeschreibungen auf Facebook nicht herauslesen.

Grund Nr. 7: Zwiebeln!

Onion

Wie versprochen: Tränen. Zwar nur in der Fantasie, aber immerhin. (Und? Wer hat jetzt nur wegen der Ankündigung bis Punkt 7 gelesen gescrollt? Seid ehrlich!)

Grund Nr. 8: Buzz Lightyear ist ein heftiger Clickbaiter!

Es sind diese „neuen“ Websites wie Buzzfeed, Upworthy oder heftig.co, die es den klassischen Onlinemedien zu schaffen machen. Und ja, auch ich benutze das klassische Format für diesen Beitrag: Ein Listen-Beitrag mit „heftigem“ Teaser. Aber eventuell mit mehr Inhalt als der Großteil ihrer Beiträge. Und ja, während ich heftig.co komplett meide, klicke ich mich immer mal wieder in Buzzfeed rein: großartige Softnews, mit einem tollen Einsatz der unterschiedlichen Mediengattungen. Aber ich sehe es so nicht als Nachrichtenmedium – und Buzzfeed ist nicht unklug, wenn es jetzt die „wirklichen“ Nachrichten von der Spaß-und-Quiz-App ausgliedert um die News auf ein eigenes Bein zu stellen.

Wer österreichische Onlinemedien in den vergangenen Monaten abonniert hat, weiß: Man will auch clickbaiten, also mit absurden Ankündigungstexten die Leute auf seine Seite locken. Das war am Anfang noch witzig, doch schon schnell erzeugte es nur mehr Kopfschütteln. Vor allem, weil die so angekündigten Beitrage manchmal mit ihrem Inhalt sogar den (negativen) Vorbildern auf Buzzfeed usw. um nichts nachstehen.

Grund Nr. 9: Sibylle Berg hat Recht

Okay, diesen Grund kann ich wirklich nur schwer belegen. Aber man lese selbst: „Verschlankt den Schwachsinn“ auf SPIEGEL online. Dort beschreibt sie wie schrecklich die Onlinemedien in den vergangenen Jahren geworden sind: der Journalismus wurde hektischer, schneller, und sie bezieht sich dabei nicht nur auf den Onlinejournalismus alleine. Und in ihrem Kommentar laufen auch alle meine genannten Gründe zusammen – das Clickbaiting stinkt, die Information wird immer rarer, der Echtzeitsjournalismus immer sinnfremder. Und die JournalistInnen, die ihren Beruf oftmals hoffentlich als Traumjob bezeichnen, würden wahrscheinlich unglaublich gerne andere Artikel schreiben. Doch der Zeitdruck, die Vorgaben von oben und auch die Pflicht, auf allen (sozialen) Medien irgendwie aktiv zu sein, raubt einem wahrscheinlich die Möglichkeit eben dies zu tun.

Der Journalismus hat nichts mehr zu verlieren, da stimme ich zu, und gerade deshalb kann man Experimenten wie Buzzfeed mit entgegengesetzten Experimenten entgegentreten: Nicht mehr nur die Nachricht in den Vordergrund zu stellen, sondern die Information.

Grund Nummer 10: Die Information tut keinem weh

Kommen wir zurück zu den Ecclestone-Beiträgen. Natürlich ist die Optik furchtbar schlecht, wenn man bedenkt, dass der wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht stehende Formel-1-Chef mit der Zahlung von 100 Millionen US-Dollar das Verfahren beenden konnte. Doch statt (nur) von einem Freikauf zu sprechen, sollte man einerseits die Nachricht bringen, dass dies passiert ist. Zusätzlich noch einen Info-Artikel, der erklärt, wie ein außergerichtlicher Vergleich in Deutschland funktioniert, ob so etwas in Österreich auch möglich wäre (und ev. auch Buzzfeed-mäßig: „Die drei größten Vergleiche aller Zeiten) und schließlich noch ein Kommentar, wo man die Sinnhaftigkeit eines solchen Gesetzes in Frage stellen kann. Ich wage zu behaupten, dass das Interesse an Information bei den RezipientInnen grundsätzlich vorhanden ist, aber aufgrund der Inhalte der Medien schön langsam erschlafft ist. Das müsse man aufwecken. Das muss das Ziel sein.

Und dann klappt es auch mit dem Retourgang. Irgendwie.

Wo zehn Gründe, da auch zehn Lösungsvorschläge

Was ich außerdem gelernt habe: Wenn man sich die Mühe macht, in zehn Punkten zu kritisieren, sollte man auch noch zehn Lösungsvorschläge liefern. Gesagt, getan:

  1. Auswahl der berichtenswerten Artikel – nicht alles ist eine Nachricht wert (bzw. hat einen Nachrichtenwert)
  2. Lieber ein gut recherchierter Beitrag nach einer Stunde als ein Stress-Beitrag mit Überschrift und Bild nach einer Minute
  3. Stimmt das Gerücht? Wer sagt es? Was stimmte da bisher? Als Medium sollte man nicht über das Hörensagen berichten, sondern vor allem über Fakten (und handfeste Beweise).
  4. Große Klickhits passieren einfach (tolles Thema, gute Schreibe, passender Zeitpunkt, etc.), sie erzwingen zu wollen schadet dem Journalismus
  5. Wenn der Verlag schon mehr Geld durch Werbung ergattert, sollte er auch in Onlinejournalismus investieren
  6. Social Media – gerne. Doch ohne direkte Meinung und Meinungsmache.
  7. Knoblauch. Eindeutig Knoblauch.
  8. Buzzfeed, Upworthy und heftig.co bekommen Abermillionen Zugriffe – aber sind sie deshalb journalistisch wertvoll? Hin und wieder ganz sinnvoll – Menschen brauchen Soft News -, aber es passt eben nicht überall.
  9. JournalistInnen bekommen immer mehr Aufgaben auferlegt, die quantitativen messbaren Zahlen müssen stimmen, egal ob die Qualität darunter leidet. Und das gehört wieder etwas umgedreht.
  10. Zu jedem komplexen Nachrichtenartikel einen erklärenden Infotext. Um die Zusammenhänge zu verstehen, um informiert zu werden.

Geht es nur mir so?

Das ist jetzt natürlich die große Frage: Was läuft im Onlinejournalismus falsch? Verstehe ich etwas grundsätzlich falsch oder stimmst du mir zu? Was ist deine Meinung zur Misere im Onlinejournalismus? Am Besten hier unten kommentieren und diskutieren!

Update #1 : Eine Linkliste

CARTA, ein grundsätzlich ja schon sehr empfehlenswertes Onlinemagazin, befasst sich häufig mit dem Medienwandel, und auch mit dem Wandel des Journalismus zu nicht immer Besserem. So wie der Beitrag „Ein Duracell-Häschen namens Journalismus“ von Christian Jakubetz (8.8.2014), in welchem er über die Sinnhaftigkeit so mancher Berichterstattung sinniert.

Gregor hat sich auf dem netten Technikblog slur.at über den Onlinejournalismus ausgelassen – bzw. besser gesagt: über den österreichischen Onlinejournalismus. „Onlinejournalismus in Österreich – als man den Fokus aufs Wesentliche verlor“ erschien im Februar dieses Jahres (2.2.2014).

Die Studienleiterin am MAZ, der Schweizer Journalistenschule, Frau Alexandra Stark fragte auf Twitter bei mir nach, warum sich „nur“ der Journalismus in diese Sackgasse manövriere, und nicht die JournalistInnen selbst ebenso. Ich habe dann mit dem „ökonomischen Druck“ von oben geantwortet. Wobei das eventuell nur eine Ausrede ist. Aber auf ihrem Blog „journalism RELOADED“ hat sie einen interessanten Beitrag veröffentlicht, welche die notwendigen Kompetenzen für JournalistInnen beschreibt: „(Neue) Kompetenzen für die Zukunft“ (12.1.2013)

Alexis Johann, laut Twitter-Bio „Head of styria digital one“ und auch ein ehemaliger Dozent von mir an der FH St. Pölten, hat ebenfalls meinen Beitrag getwittert und ihn einem Beitrag von ihm gegenübergestellt, mit dem Titel „Rationale Optimisten: Was journalistische Organisationen besser können“ (18.7.2014). Doch das ist eben wieder die andere Sichtweise:

„Noch nie täglich wurde so lange Medien konsumiert und die großen Marktplätze für News im Web (Google, Facebook) haben in mehreren Updates zuletzt auf den Kern des Journalismus hin optimiert, auf Aktualität, Relevanz, Faktizität und Unterhaltungswert.“

Ein Zitat aus der Zusammenfassung: Und dem stimme ich gar nicht zu. Ja, der Kern des Journalismus wird vielleicht sichtbar, aber nicht befüllt. Dass die Zugriffszahlen steigen, bedeutet nicht, dass die journalistische Arbeit herausragend ist. Das sieht man im Printbereich in Österreich am Besten an der Auflage und Reichweite der Kronen Zeitung. Und, wie schon in meinen zehn Gründen beschrieben, stehen auch für Johann die Zugriffe an vorderster Stelle:

Wir können auf spannende Bilder zugreifen, die massiv zu einer Verbesserung der Klickraten und damit der Sichtbarkeit führen.

Updates im Überblick

Version 1: 11.8.2014 – 8.33 Uhr
Version 1.1: 11.8.2014 – 17 Uhr – Einfügung des 1. Updates
Version 1.2: 11.8.2014 – 17.45 Uhr – Ausbesserung einiger Rechtschreibfehler (Dank an Heiko)

Dominik Leitner
Dreißigjähriger Autor, Journalist und Blogger - aufgewachsen in Oberösterreich, lebt nun in Wien. – Literarisches: Neon|Wilderness • Positives (2017): 365 gute Dinge • Kreativitätsförderung: projekttxt.net – Du willst mir einen Kaffee spendieren? https://paypal.me/dmnkltnr

25 Kommentare

  1. Ehrliche Antwort zu 7.: Ich habe den ganzen Beitrag von oben nach unten durchgelesen und nicht gescrollt. Warum? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass dieses Herausstellen irgendeiner Nummer im Normalfall purer Zufall ist. Nummer 13 wird dein Mind Blowen. Ich hätte nie mit Nummer 3 gerechnet. Nummer 8 ist unfassbar. Da schreibt man doch einfach irgendwas.

  2. Nun ja, auch im Onlinejournalismus sollten noch die Rechtschreibregeln gelten. Insofern bedarf der Text einer heftigen Überarbeitung. Sätze wie „Dass kann man natürlich als Qualitätsjournalismus bezeichnen, aber wohl nur, weil Qualität ein furchtbar dehnbarer, relativer Begriff ist.“ sind oberpeinlich, Kollege!

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, Herr Kollege. 😉

      Habe den Fehler sogleich ausgebessert, den Text nochmal durchgelesen, wurde aber nicht mehr wirklich fündig. Deshalb verbuche ich diesen einen Ausrutscher als Fauxpas, der eben mal passieren kann. Nicht soll, aber kann.

  3. Selbst beim zweiten Lesen nicht andere Schwächen wie „Denn die Klickzahlen, dieser quantitative Erfolgsfaktor, scheint zum Nonplusultra geworden zu sein.“ entdeckt? Versprochen, es wimmelt vor weiteren Fehlern.

  4. Hallo Dominik,
    eine feine Zusammenfassung des erbarmungswürdigen Status quo in vielen Online-Redaktionen. Danke! Dieser Drift großer Teile der Branche zum Kennzahlenorientierten, immer Kurzatmigeren wird den Online-Journalismus kurzfristig über Wasser halten und ihm langfristig viel schaden.
    Bei Grund Nr. 4 möchte ich jedoch widersprechen: Klar, einige gehen in dieser Art „Content-Produktion“ total auf, aber viele viele haben dem Online Journalismus genau deswegen den Rücken gekehrt oder schleppen sich, die kognitive Dissonanz irgendwie aushaltend, so durch. Die Frustration in Redaktionen ist immens. Dass nur Klicks zählen und sonst gar nichts, haben sich ja nicht die Redakteure ausgedacht, die wollen in der Regel so gut und unbehelligt wie möglich schreiben. Die Kennzahlen/Ziele geben Geschäftsführung und Chefredaktion vor. Wer nicht liefert, kann gehen. Und es gehen viele.

    1. Vielen lieben Dank, Juliane!

      Ja, deinem Widersprechen kann ich jetzt natürlich nicht wirklich widersprechen. Dass es eine Frustration gibt, spürt man. Aber es ist für mich doch komisch, dass man, wenn man eine Diskussion über Sinnhaftigkeit und Nachrichtenwert eines Artikels anstrebt, oft zu hören bekommt, dass es ja das ist, „was die Menschen so lesen wollen“.

  5. Online-Johurnalismus ist, das zeight es heute prima: wenn GMX auf der Eröffnungsseite laut mitteilt:
    „Hollywood steht unter Schock“, weil ein Schauspieler namens Williams gestorben ist.
    Das ist mehr als übertrieben, das ist schlicht gelogen, sensationsgeil und deshalb eben: Johurnalismus heute.
    .
    „26 Jahre, Journalist, Autor, Student
    Über mich • Über diesen Blog“
    = DAS Weblog, das Blog, also: „..über dieses Blog“.

  6. Gute Bestandsaufnahme des aktuellen Onlinejournalismus´! Lass´ Dich nicht unterkriegen von den übereifrigen Korrektoren! BTW: Das oder der Blog – laut Duden beides richtig.

  7. Ich habe diesen Beitrag von Ihnen sehr genossen. Leider fehlt mir der Überblick über die beiden bzw. der eigentlich vielen Betrachtungswinkel bei dem Thema: Wie wird eine Online Redaktion, die Wert auf Qualität und Langlebigkeit setzt, am besten gemanaged. Ich schätze es gibt bei Ihrer wenig auszusetzen. Schade finde ich trotztdem, dass Sie so wenig (inhaltlich wertvolle) Reaktion bekommen haben. Alles Gute!

  8. Wusste nicht, was das für ein Gesetz sein soll.

    Wikipedia: Das sogenannte Rieplsche Gesetz der Medien besagt, dass kein gesellschaftlich etabliertes Instrument des Informations- und Gedankenaustauschs von anderen Instrumenten, die im Laufe der Zeit hinzutreten, vollkommen ersetzt oder verdrängt wird.

    Ist aber nicht wirklich ein Gesetz, eher eine Hypothese.

    Zu 1 bis 10:
    1) Onlinejournalisten haben noch nicht verstanden, dass sie zwar arbeiten, aber schon lange nicht mehr als Journalisten.
    2) Wichtiger als das Berufsfeld der Journalisten ist die Frage, wo man an gute Informationen rankommt.

  9. Hallo Dominik.

    Ich habe vom Bildblog hierher gefunden.
    Als ich „Der 7. Grund wird dir die Tränen in die Augen treiben!“ las, habe ich mich erst einmal aufgeregt und bin sofort zu den Kommentaren runter gesprungen.

    Die hab ich mir dann zuerst durchgelesen und da mich der Bildblog bisher eigentlich auch noch nicht so richtig enttäuscht hat, hab ich den Beitrag dann doch noch gelesen.

    Vielleicht hast du schon gemerkt, dass mich einiges, besonders aber über Ankündigungen wie oben verwendet, sehr nerven.
    Auch wenn ich eine Überschrift in Form einer Frage lese bin ich mir mittlerweile zu über 90% sicher, dass die Antwort nicht Ja ist und im besten Falle auf ein Vielleicht hinausläuft.
    Mag ja sein, dass manch einer solche Artikel nicht mehr anklickt, wenn die wichtigste Information schon in der Überschrift steht, aber wenn es mich interessiert lese ich mir auch gerne die Hintergründe dazu durch.

    Anders als wenn man mich ködern will, da der Informationsgehalt des Artikels, in meiner Meinung, stark gegen 0 wandert.

    Deswegen bin ich ja auch sehr gespannt darauf, wie sich das Projekt Krautreporter in Deutschland entwickeln wird.

    Viele Grüße
    Der Tom

    1. Lieber Tom,

      Ich weiß nicht, ob ich jetzt richtig verstanden habe. Mit Punkt 7 und dem dazugehörigen unsäglichen Teasertext will ich genau diese Idiotie persiflieren. Nachzulesen in Punkt 8. Während die Artikelform „Listen“ manchmal gut im Journalismus verwendet werden können, so hat dieser heftig.co-Stil im Journalismus nichts verloren. Und ich wage zu behaupten, dass der Informationsgehalt meines Beitrags weit über 0 liegt. 😉

      Und ja: Das Projekt Krautreporter ist wichtig. Ich bin gespannt, wie es sich entwickeln wird!

      1. Hallo Dominik,

        ja, genau das meinte ich damit. Das hast du richtig verstanden.

        Ich reagiere halt schon generell sehr allergisch auf diese Teaser-Texte, so dass ich normalerweise gar nicht mehr lese, was nach dem Teaser-Text kommt.
        Das könnte dann natürlich auch gute Beiträge betreffen, die nur aufzeigen wollen, wie Unsinnig das eigentlich ist.

        Gegen Listen hab ich generell nichts. Nur gegen diese „5 Dinge, die ich im Garten liegen habe“- oder „Diese 20 Schlager aus den 50er Jahren hast du noch nie auf einem Manowar Konzert gehört“-Listen, die stören mich mittlerweile dann schon.

        Also nicht falsch verstehen: Ich mag deinen Artikel, aber beinahe hätte ich ihn wegen meinem „Ahhh, Blödsinns-Teaser“-Reflex gleich wieder weggedrückt. 😉

        Viele Grüße
        Der Tom

  10. „…weil Qualität ein furchtbar dehnbarer, relativer Begriff ist…“
    Nur so zum Thema Bildung bei Online-Journalisten: „Qualität“ kommt vom lateinischen qualitas und bedeutet ganz neutral einfach nur „Beschaffenheit“, somit ist das ein Begriff, der weder dehnbar noch relativ ist..Es gibt gute und schlechte Qualität. Dafür daß viele Leute „Qualität“ nur im Sinne von „gut“ verwenden, kann das Wort nix. Nun muß ja nicht jeder Online-Journalist das große Latinum haben. Aber generell sollte man sich schon an eine alte Gepflogenheit halten, nämlich: Fremdwörter nur zu benutzen, wenn man weiß, was sie bedeuten.

    1. Das kleine Latinum kann ich zumindest. 😉 Und ich habe jetzt mal im Duden nachgesehen, wie „relativ“ definiert wird: „nur in bestimmten Grenzen, unter bestimmten Gesichtspunkten, von einem bestimmten Standpunkt aus zutreffend und daher in seiner Gültigkeit, in seinem Wert o. Ä. eingeschränkt“. Und „dehnbar“ definiert der Duden so: „nicht klar umrissen, nicht genau bestimmt, mehrere Auslegungen zulassend“.

      Und deshalb: Ja, es gibt gute und schlechte Qualität, schon unzählige Medienwissenschaftler haben sich am Qualitätsbegriff und dem Versuch einer Definition die Zähne ausgebissen. Und so denke ich, dass wohl jeder einen eigenen Qualitätsbegriff hat. Deshalb ist Qualität dehnbar und relativ. Oder?

  11. Gerade die Schnelligkeit und Hast vieler Onlinemedien ist doch DIE Chance für Print. Dort hat man zumindest Zeit bis zum Redaktionsschluß, um einen wirklich gehaltvollen Artikel zu schreiben. Sollte die Thematik absehbar von sehr großem Interesse sein, kann man auch tags darauf noch mit einem größeren Text aufwarten.

    Klickzahlen allein sagen überhaupt nichts über die Qualität (da haben wir es wieder) des Klicks aus. Wenn der Leser auf eine Seite klickt, nach drei Sekunden feststellt, daß der Text nichts taugt und das Fenster wieder schließt, ist das genauso ein Klick wie bei jemandem, der 15 Minuten mit dem gleichen Artikel verbringt.

    Ich habe nie verstanden, warum Klickzahlen als Währung überhaupt tragfähig sind.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: