Überflüssige Informationen?

Journalismus könnte so viel besser, tut es aber nicht.

In meinem kleinen Blick in den Rückspiegel für den neuwal.com-Redaktionsjahresrückblick habe ich es bereits angesprochen: Die österreichischen Medien enttäuschten mich im vorangegangenen Jahr – immer mehr schrieb man nur mehr darüber, wer was wozu gesagt oder auch wer was nicht gesagt hat. Was fehlte, war die Information für den Leser: Um was geht es eigentlich? Welche Auswirkungen hätten diese und jene politischen Entscheidungen? Oftmals erschien es mir, dass es einfacher sei, den Streit abzubilden, als den Leser weiterzubilden. Das hat mich 2013 schon derart geärgert, dass es zum Storno eines langjährigen Abos führte und zum frischen Abonnemment jener Zeitung, die sich trotz allem am Besten entwickelt hat.

Wir bei neuwal.com sehen es als Aufgabe, etwas dahinter zu blicken und auch mein Ressort „Was ist …?“ zielt genau darauf ab, wo die klassischen Medien versagen: Über Themen aufzuklären, über die zwar viel gesagt wird, aber wenig gewusst.

Michael Thurm, bisher Journalist beim FAZIT, in Zukunft „Senior Project Manager“ bei der Schweizer Agentur Hofrat Suess, hat in seinem Abschieds- und Anfangsbeitrag in seinem Blog die richtigen Worte gefunden.

Ein posi­tiv infor­mie­ren­der Jour­na­lis­mus ist auch wei­testgehend über­flüs­sig gewor­den, weil Infor­ma­tio­nen über­flüs­sig sind. Weil jeder schon alles weiß, nicht wis­sen will oder glaubt zu wis­sen. Wiss­be­gie­rig­keit ist auf eine kleine leise Gruppe beschränkt, zu leise, um sich wich­tig zu neh­men (und damit rele­vant zu erschei­nen), zu klein, um öko­no­misch bedeu­tend zu sein.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass dies eine sehr negative Ansicht sei. Ich finde mich zwar auch nur zu gut in diesen Worten, doch als naiver Optimist hoffe ich immer auf eine Besserung der Umstände.

Ich werde dran bleiben und hoffe auf eine neue Generation. Vielleicht findet all das dann nicht mehr im Print statt – vielleicht wird Online der richtige Platz dafür sein.

Dominik Leitner
Dreißigjähriger Autor, Journalist und Blogger - aufgewachsen in Oberösterreich, lebt nun in Wien. – Literarisches: Neon|Wilderness • Positives (2017): 365 gute Dinge • Kreativitätsförderung: projekttxt.net – Du willst mir einen Kaffee spendieren? https://paypal.me/dmnkltnr

2 Kommentare

  1. Ich lese zwar keine Print-Zeitungen mehr, bzw. diese nur mehr online, aber auch da lässt sich dieser Trend ja ganz gut verfolgen. Es ist teils wirklich schwer grundlegende Informationen zu einem Thema zu bekommen. Gerade online hat man ja die Möglichkeit zu verweisen. Warum man dann nicht einen Artikel über die Grundlagen eines Themas schreibt und diesen dann bei jedem weiterführenden Artikel verlinkt ist mir ein Rätsel.

    Aber gut dieses „Internet“ dürfte sowieso noch immer für Fragezeichen in den Köpfen einiger Verantwortlicher sorgen. Immer mehr etabliert sich ja leider der Trend eines stumpfen Abtippens von APA Meldungen. Nur weil ich alles publizieren kann heißt dies nicht, dass ich dies auch tun sollte. Tagesaktuelles Beispiel: http://derstandard.at/1388650127076/Sandra-Bullock-Niemand-sollte-sich-selbst-googeln

    1. Print-Zeitungen gehören für mich ganz einfach dazu, wobei meine Hauptnutzung vor allem auf den Vormittag beschränkt ist. Aber ja, gerade Online ist es sogar – finde ich – noch schrecklicher. Weil man ja wirklich nicht auf einen gewissen Platz beschränkt ist – Beiträge könnten unendlich lang sein, rein theoretisch. Aber um „benutzerfreundlicher“ zu sein, um auf alle Rezipienten zu achten, macht man lieber kleine Artikel, leicht verdauliche Häppchen. Da geht so viel verloren. Und die Verweis-Faulheit vor allem der österreichischen Medien ist verstörend. Nur um ja nicht auf die Konkurrenz verweisen zu müssen, lässt man ein so wichtiges Tool im Netz oftmals einfach ungenutzt.

      Und ja: Größte Zustimmung zum stumpfen Abtippen (eher: Copy-Pasten). Würde deshalb aktuell für kein Onlinemedium in Österreich etwas zahlen wollen.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: